Verfasst von: Pad-Doc | 16/08/2010

Comicvorstellung – V wie Vendetta


Nachdem ich euch vor kurzer Zeit den Alan Moore Comic Watchmen vorgestellt habe, möchte ich euch nun ein weiteres Werk des Meisters etwas näher bringen. Wie bereits angekündigt handelt es sich dabei um V wie Vendetta, eine beeindruckende, kraftvolle Geschichte über den Verlust der persönlichen Freiheit in einem totalitären System. Wer also ein Herz für eher ungewöhnliche, aber intelligente Comics hat, sollte weiterlesen!

Die Geschichte spielt in naher Zukunft im Jahre 1997. Jetzt werden sich wohl manche fragen, wie das gehen soll, wo wir doch im Jahr 2010 leben. Nun, zum Erscheinungszeitpunkt von V wie Vendetta, nämlich 1988, war das eben noch Zukunft. Der Ort der Handlung ist dabei Großbritannien. Hier hat nach dem verheerenden 3. Weltkrieg die faschistische Partei die Staatsführung übernommen und kontrolliert mittels mehrerer Staatsorgane, welche stets gemäß ihrer Aufgabe den Namen eines Teils des menschlichen Körpers tragen – so überwacht das Ohr beispielsweise die Telefongespräche und die Finger übernehmen die Aufgaben der Polizei – die gesamte Bevölkerung. Aufstände werden gnadenlos niedergeworfen und verdächtige Personen gefangen genommen und gefoltert. Die Regierung hat Konzentrationslager für Homosexuelle, Ausländer und Aids-Kranke errichtet. Es ist also eine düstere Zukunft, in der die Hauptcharaktere Evey und V leben.

Damit gleich zu den Figuren. Evey ist ein 16-jähriges Mädchen, das durch die Regierung beide Eltern verloren hat und nun alleine lebt. Um überleben zu können, sieht sich Evey gezwungen, ihr Geld mit Prostitution zu verdienen. Doch schon in ihrer ersten Nacht gerät sie an die falschen Männer: Beamte des Fingers. Da diese vom Staat berechtigt sind, nach eigenem Ermessen zu strafen und Evey gegen die Ausgangssperre verstoßen hat, wollen sie Evey vergewaltigen. In diesem Moment tritt jedoch der mit einer Guy Fawkes-Maske kostümierte V in Eveys Leben. Er rettet sie vor den Fingermännern und zeigt ihr ein Spektakel der besonderen Art: V sprengt das Parlamentsgebäude in die Luft.

In insgesamt 3 Büchern – deren Kapitel in der englischen Version alle mit dem Buchstaben V anfangen – wird die spannende Geschichte von V und seinem Kreuzzug gegen das autoritäre Staatssystem und gegen den Führer höchstpersönlich geschildert. Im ersten Buch, Der Verbrecher genannt, wird dabei der Figur des V besonders viel Platz eingeräumt und seiner herausragenden Persönlichkeit Achtung getragen: V wirkt in seinem Benehmen fast wie Robin Hood, er ist edel und kämpft für die Interessen der Bevölkerung. Gleichzeitig ist V ein durchaus gebildeter und intelligenter Mann und philosophiert in einigen Passagen über sehr anspruchsvolle Themen. Auch hat er einen Hang zu klassischer Literatur und zitiert gerne auch mal Shakespeare und Goethe, was immer sehr gut in den Zusammenhang zur Geschichte eingeflochten ist. Allerdings ist V auch ein gnadenloser Attentäter, der Mitglieder der Regierung ohne Reue ermordet. Das V aber mehr als ein Motiv, nämlich die Sehnsucht nach Freiheit, für seine Taten hat, erfährt der Leser erst später und wird deshalb an dieser Stelle nicht verraten.

Im zweiten Buch, welches den Titel Dies verderbte Kabarett trägt, liegt der Fokus mehr auf einigen Nebencharakteren, wie beispielsweise dem Ermittler Finch, der auf der Spur des Terroristen V ist. Allerdings beginnt Finch während seinen Ermittlungen auch auf mehrere Ungereimtheiten zu stoßen, welche in ihm Zweifel an der eigenen Regierung aufkommen lassen. Und auch ergreifende Einzelschicksale, wie etwa das der lesbischen und dafür inhaftierten Valerie, werden vorgestellt, was das ganze Ausmaß des Schreckens, den die Regierung auf ihr Volk ausübt, noch weiter verstärkt.

Im dritten und letzten Buch, mit dem poetisch anmutenden Titel Das Land Tu-Was-Du-Willst, kommen dann alle Handlungsstränge zu einem Ende. Hierbei zeigt sich die gesamte Genialität, die hinter diesem Werk steckt. Kluge Dialoge, große symbolische Handlungsweisen, unerwartete Wendungen, Trauer und Triumph, alles ist vorhanden. Und am Ende ist der Leser froh, V wie Vendetta gelesen zu haben, aber traurig, dass es vorbei ist.

Um allerdings etwas mit der Geschichte anfangen zu können, sollte man Interesse an Politik und vor allem Aufmerksamkeit besitzen. Oder, wie es Zeichner David Lloyd ausdrückt: „Auch in V wie Vendetta gibt es nicht viele forsche, fröhliche Typen und dieses Buch ist für Leute, die die Nachrichten nicht ausschalten.“ Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, bekommt einiges, über das er nachdenken kann. Hierbei bricht auch V wie Vendetta mit einigen früheren Tabu-Themen: Vergewaltigungen, Folter und pädophile Geistliche sind nur wenige Beispiele für Themen, über die zu lange geschwiegen wird, obwohl sie existieren.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur gleichnamigen Verfilmung. Verfilmt wurde der Comic von den Wachowski-Brüdern, welche zuvor vor allem mit der Matrix-Trilogie weltbekannt wurden. Die Atmosphäre der Vorlage wird dabei sehr gut eingefangen und es gelingt dem Film, eine ähnlich bedrückende Aura wie der Comic zu entwickeln. Wie im Comic machen den Hauptteil des Films eher sehr gute, zum Mitdenken anregende, Dialoge aus; die Action-Szenen sind dagegen sparsam, aber recht gut plaziert, außerdem sind die Gefechte dank coolen Zeitlupe-Effekten ein echter Hingucker.Von der Geschichte her unterscheidet sich die Verfilmung allerdings nicht unwesentlich von der Vorlage: Zwar sind alle wichtigen Handlungen vorhanden, doch die Reihenfolge ist oftmals vertauscht. Außerdem fügt der Film auch neue Handlungsaspekte hinzu, die aber gar nicht als neu auffallen, weil sie sehr gut mit der Vorlage harmonieren. Einzig und allein die Nebenhandlungen wurden etwas zurückgesetzt, was sich aber verschmerzen lässt. Dafür ist die Besetzung umso gelungener: Vor allem Hugo Weaving macht als V eine sehr gute Figur und schafft es, alle Eigenschaften dieser schwierigen Persönlichkeit auf die Leinwand zu bringen. Auch Natalie Portman ist für die Figur der Evey eine hochkarätige Besetzung und leistet einen sehr guten Job.

Fazit:

V wie Vendetta ist ein in allen Belangen außergewöhnlicher Comic fernab früherer Normen. Die Figuren sind facettenreich und interessant, die Dialoge klug und überlegt und trotzdem kommt auch die Action nicht zu kurz. Die Handlung ist umfangreich und komplex, aber jederzeit nachvollziehbar. Und die bedrückende Atmosphäre und die kompromisslose Darstellung einer düsteren Zukunft ziehen den Leser sofort in ihren Bann. Ich habe mir sehr viel von V wie Vendetta erwartet und wurde auch nicht enttäuscht: V wie Vendetta ist ein Meilenstein der Comic-Literatur und auch ein kluger Kommentar zur Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit. Deswegen also: V wie Fantastisch!

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